Der Frühblüher-Strauch

Ich habe heut erstaunt gesehen,
den Gartenstrauch in Blüte stehen.

Ich sprach zu ihm erfreut, erschrocken:
„Was konnte dich so früh verlocken,

im Januar, trotz kalten Nächten,
zu blühn entgegen allen Mächten?

Du blühst so gelb wie Sonnenschein,
was tust du, bricht die Nacht herein?

Es ist nicht Frühling, lieber Strauch.
Die Nachbarsträucher staunen auch.“

Da lachten all die kleinen Blüten:
„Der liebe Gott wird uns behüten.

Ich bin ein seltner Winterblüher
und blühe daher immer früher.

Ich bin der König jetzt im Garten,
muss nicht erst auf den Frühling warten.

Die Kälte macht mir gar nichts aus,
sei unbesorgt und geh ins Haus.

Frühreife Kinder gibt’s ja auch,
beim Menschen, wie beim Gartenstrauch.

Frühreif hat Gott auch mich gemacht,
drum zeig ich jetzt schon meine Pracht.

Wann Frühling wird und blüht der Flieder,
blüh ich nicht mehr, dann schlaf ich wieder.“

© 02/2008 Artur Beul, Zollikon.

Veröffentlicht von

Artur Beul

Komponist, Maler, Dichter und Buchautor. Geboren in Einsiedeln SZ am 09.12.1915, gestorben in Küsnacht am 09.01.2010. Bekannt durch Lieder wie «Nach em Räge schint d’Sunne», «Stägeli uf, Stägeli ab», «Am Himmel staht es Sternli», «Übre Gotthard flüged Bräme» u.v.m.

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