Unglaublich, was ich heut berichte.
Auf jede Meinung ich verzichte.
In Willerzell war ich einst Lehrer,
war auch ein Orgelspiel-Verehrer.
Die Kirchenorgel „Willerzell“,
sie klang sehr gut, ganz rein und hell.
Am Morgen, vor dem Schulbeginn,
ging man zur Messe täglich hin.
Die Schüler sangen alte Lieder,
die ewig gleichen immer wieder.
Dies störte mich als Komponist,
hab neue Melodien vermisst.
Am Abend, nach dem Unterricht,
da ging mir auf ein neues Licht.
Ich schrieb und schrieb ganz gottergeben
melodisch meine Messe eben.
Am End konnt ich vor Glück fast weinen –
was wohl die Schüler dazu meinen?
Sie fanden meine Messe gut.
Wir übten lange mit viel Mut.
Dann kam der Tag der Première;
er wurde leider zur Affäre!
Inmitten durch die Sängerschar
kam laut ein Schrei her vom Altar.
Der Pfarrer rief, dreht sich dabei:
„Schluss mit dem weltlichen Geschrei!
Dies ist Musik fürs Tanzlokal,
ich sag das hier zum letzten Mal!“
Dann zelebrierte er als wäre
gar nichts geschehn, trotz der Affäre.
Ich war entsetzt, im Gotteshaus
lässt unbeherrscht den Zorn hinaus,
ein Pfarrer mitten in der Messe.
So ein Skandal ich nie vergesse.
Die Kinder schwiegen, es war aus!
Wir alle gingen gleich nach Haus.
Die Messe blieb nun ungesungen.
Des Pfarrers Schrei ist längst verklungen.
Die Messe, mit den frohen Weisen,
hab ich gelegt zum alten Eisen.
Den Kindern, wie den Leuten allen,
sicher auch Gott, hat sie gefallen.
Ein Kirchenchor singt heut modern,
dies hören junge Leute gern.
Was würde wohl der Pfarrer sagen,
lebt’ er noch heut in unsern Tagen.
Dies ist schon sechzig Jahre her.
Mein Messgesang erklang nie mehr!
© 02/2008 Artur Beul, Zollikon.
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