In Heimen hab ich noch gespielt,
bis ich fast neunzig war, Klavier;
hab bei den Menschen Freud gefühlt,
sie waren dankbar stets dafür.
Die alten Rentner sangen mit
die Lieder aus der Jugendzeit.
Sie waren einst „der grosse Hit“,
beliebt in der Vergangenheit.
Was ich erfolgreich komponierte,
das kannten alle ganz genau.
Manch Senior tanzen noch probierte
mit seiner hochbetagten Frau.
Ich hatte stets Bücher von mir
dabei, die ich zahlreich verkaufte.
Auch CD’s hatt’ ich dann stets hier,
die ich mit meiner Widmung „taufte“.
Am neunzigsten Geburtstag dann,
im Pflegeheime Bethesda,
da sagt ich meinen Abschied an;
doch dieses ging mir ziemlich nah.
Erst spielt’ ich noch zum letzten Mal
mein Lied, das viele heut noch lieben,
im grossen, vollen Speisesaal,
mein erstes Lied, das ich geschrieben.
Dann stand ich auf, – grosser Applaus!
Seither hab ich nie mehr gespielt.
Nach neunzig Jahren war es aus,
dies hab im Herzen ich gefühlt.
Ich hab’s Klavier nie mehr berührt
seit jenem Tag, auch nie zu Haus!
Ich hab in mir bedrückt gespürt:
Jetzt ist es Schluss, jetzt ist es aus.
Die Hände schmerzten, klagten mir.
Die Finger flehten: „Hör jetzt auf,
wir tanzten lang auf dem Klavier;
den Abschied, nimm ihn heut in Kauf!“
So blieb es auch schon fast drei Jahre.
Ich sagte jeden Auftritt ab.
Mein Auto, das ich nicht mehr fahre,
ich meinem Pfleger übergab.
Das Leben aber, es geht weiter.
Fast täglich schreib ich ein Gedicht.
Ist sie noch hoch, die Himmelsleiter?
Ich muss hinauf, wann weiss ich nicht.
© 02/2008 Artur Beul, Zollikon.
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