Ein Baum steht einsam hier im Garten.
Ringsum viel bunte Blumen blühn.
Seit Jahren seh ich ihn da warten
und träumend mit den Wolken ziehn.
Woher nimmt er die Dauerstille,
steht immer nur am selben Ort?
Er sieht ja nur die kleine Fülle
der grossen Welt, verreist nie fort.
Er kennt nur meinen kleinen Garten,
und dies ein ganzes Leben lang;
macht nicht, wie wir, zeitweise Fahrten.
Wird ihm dabei nicht eng und bang?
Als Kind konnt’ ich ihn noch besteigen.
Er war nicht hoch und blühte weiss.
Mein Baum ist heute zu beneiden,
so hoch ist er! Wie alt, wer weiss?
Ein Leben lang steht er schon hier.
Nie ging er weg von seinem Ort.
Und fest verwurzelt sagt er mir:
„Was zieht denn dich stets wieder fort?
Hier ist’s doch schön, hier will ich bleiben,
nicht dauernd fort, wie’s Menschen tun.
Ich habe Zeit zum Zeitvertreiben,
hab’s ganze Jahr genug zu tun.
Im Frühling steigen neue Kräfte
bis in die Zweige hoch hinein;
dies sind die starken Lebenssäfte,
sie leit ich in die Blätter rein.
Dann kommt die Zeit der vielen Blüten,
die brauchen Farbe und auch Duft.
Sie alle muss ich gut behüten
bei schlechtem Wetter, kalter Luft.
Und nach dem heissen Sommer fliegen
die welken Blätter fort im Wind.
Wer weiss, wo sie dann alle liegen
und wo die reifen Früchte sind.
Du siehst ich habe nie Langweile,
im Gegensatz, mein Freund, zu Dir.
Auch wenn ich lebenslang hier weile,
mein Platz zu leben, der ist hier.“
© 03/2008 Artur Beul, Zollikon.
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