Mein ganzer Tisch ist voll Tabletten,
vom Arzt verschrieben mit Rezept.
Ich mag die Kleinen, Süssen, Netten;
doch andere, die ich lieber nicht mehr hätt’!
Ob sie auch nützen, fragt man oft.
Dem Apotheker sicher, sag ich dann!
Man schluckt sie eben und man hofft,
es hilft bestimmt doch irgendwann.
Früher, da lagen auf dem Tisch
Berge mit Briefen von Verliebten.
Ein bunter Berg, Papiergemisch
von Fans, die meine Musik liebten.
Dann wechselte der Sachverhalt.
Der Tisch ist jedoch noch der gleiche.
Der Mensch wird, wie der Tisch, auch alt;
doch der steht stramm, er ist aus Eiche.
Und neben den Medikamenten
steht meine Uhr, sie läuft seit Jahren.
Sie weiss von meinen Schreibtalenten,
die oft sehr hart und mühsam waren.
Auf meinem Tisch, da stehn stets Rosen,
sie überduften die Tabletten;
die liegen hier in Silberdosen,
den Duft der Rosen sie gern hätten.
Auf meinem Tisch winkt mir ein Engel
mit seinen kleinen Händen zu:
„Heut bist Du noch ein kleiner Bengel;
sei brav, Du gehst dem Himmel zu!“
Mein Tisch ist immer voller Leben,
wenn man dies taktvoll Leben nennt.
Er kann mir immer Auskunft geben
und hütet streng mein Testament.
Oft greif ich nach dem Telefon,
suche Kontakt, – sind die zu Haus?
Bei manchen aber weiss ich schon,
die gehen gern und lange aus.
Dann blick ich über’n Tisch zum Garten
und schau den frechen Spatzen zu,
den Blumen, die auf Sonne warten,
genau wie ich, genau wie Du.
© 03/2008 Artur Beul, Zollikon.
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