Der Wildbach und der Mensch

Ein Wildbach gleicht dem Menschenleben,
der wild über sein Ufer schlägt.
Er kann mit Kraft gar Häuser heben,
wenn er Geröll und Schlamm mitträgt.

Der Bach frägt nicht nach Rang und Namen – !
Wenn in den Bergen Regen fällt,
dann kennt der Wildbach keinen Rahmen;
er stürzt zu Tal begräbt die Welt.

Ja, die Natur birgt Elemente,
die sehn wie die der Menschen aus.
Man kennt sie als Temperamente,
sie brechen wie Vulkane aus!

Dann wird zerstört, was sicher schien.
Viel Liebesglück geht so in Scherben;
dies reicht oft bis zum Wahnsinn hin
und endet tragisch im Verderben.

Der Wildbach deckt die Weiden zu
und reisst die Bäume aus der Erde.
Er raubt den Menschen Heim und Ruh;
er fragt nicht, was danach wohl werde.

Wenn Menschen-Wut die Grenzen brechen,
sieht’s nachher wie beim Wildbach aus:
Es endet oft als ein Verbrechen,
für Jahre im Gefängnis-Haus!

© 03/2008 Artur Beul, Zollikon.

Veröffentlicht von

Artur Beul

Komponist, Maler, Dichter und Buchautor. Geboren in Einsiedeln SZ am 09.12.1915, gestorben in Küsnacht am 09.01.2010. Bekannt durch Lieder wie «Nach em Räge schint d’Sunne», «Stägeli uf, Stägeli ab», «Am Himmel staht es Sternli», «Übre Gotthard flüged Bräme» u.v.m.

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