Marienbrunnen in EinsiedelnVorm Kloster, diesem Wallfahrtsort,
da plätschert der Marienbrunnen.
Da trinkt man Wasser, betet dort.
Als Kinder sind wir reingesprungen.

Von Rohr zu Rohr, es waren zwölfe,
draus haben Wasser wir getrunken.
Maria sah, wir spielten „Wölfe“.
Sie sah uns zu, im Gold versunken.

Zwölf Rohre flossen, Tag und Nacht.
Die frommen Pilger wollten trinken.
Dies Wasser habe eine Kraft,
man müss’ nur glauben, drin versinken.

Zwölf mal das Maul mit Wasser füllen,
das konnt ich nie, mir war’s zuviel.
Ich konnte wohl den Durst mir stillen
und rannte ringsum, s’ war ein Spiel.

Maria war mir niemals böse.
Das Wasser wirkt nur dem, der glaubt.
Der Brunnen fliesst, singt sein Getöse.
Zwölf Röhren plätschern doch sehr laut.

Ich habe viel’ Erinnerungen.
Mit Wasser spritzt’ ich Freunde nass.
Das ist zutiefst in sie gedrungen.
Am Brunnen hatten wir viel Spass.

Auch später ging ich hin zum Brunnen
und hab zur Mutter aufgeschaut.
Hab ein Marienlied gesungen
und mich entschuldigt, leis’, nicht laut.

Maria schaute zu mir runter,
Und sagte: „Kind, mein Kind du bist.
Bleib so wie heut, gesund und munter,
wie es damals gewesen ist.

Nimm einen Schluck vom kalten Wasser.
Es ist ein Segensdrunk von mir.
Es ist nicht schlechter, auch nicht nasser.
So trink, ich segne dich dafür.“

Ihr Segnen wirkte all die Jahre.
Sie ist die Mutter mir geblieben.
Ob ich nach Einsiedeln noch fahre,
zum Brunnen, ist noch nicht entschieden …

Maria hat mich einst gesehen,
als kleinen Bub in kurzen Hosen.
Jetzt bin ich alt und muss gestehen:
Aus Wassertropfen wurden Rosen.

Bald seh ich Dich in Wirklichkeit,
zusammen dann mit deinem Sohne.
Das Wasser ist die Ewigkeit.
Bereit mir Platz, wo ich einst wohne!

© 05/2008 Artur Beul, Zollikon.

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