Am Brunnen sitzt in Avion
ein stadtbekanntes Blumen-Männdel.
Zwei Stunden wartet er nun schon
mit einem Körbchen voll Lavendel.

Er wartet auf den ersten Kunden,
damit er mittags essen kann.
Unter Platanen sitzt er Stunden,
dann endlich kommt ’ne Dame ran.

Die fragt nicht lange nach dem Preise.
Sie legt ihm in den Korb den Schein.
Der Mann dankt und er lächelt leise.
Er dacht’, so sollt’ es täglich sein …

Dann würd’ mein Leben sicher besser.
Lavendel und der Sonnenschein
und ich ein hungriger Esser,
dazu ein Gläschen roten Wein.

Die Dame fuhr im Auto fort,
rief noch: Ich komme morgen wieder!
Hab ja für Blumen manchen Ort,
Lavendel aber sind mir lieber.

So ging es weiter Jahr für Jahr,
doch einst war’s Männdel wie verschwunden.
Und sie vernahm, wie’s wirklich war:
Der Mann ist tot, hat Ruh’ gefunden …

Die Dame suchte dann den Ort,
wo er zur letzen Ruhe lag.
Und auf dem ganzen Hügel dort,
Lavendel, blau, auf seinem Grab …

Lavendel wollt er immer haben.
Er liebte ihn sein ganzes Leben.
Selbst hier da auf dem Friedhof eben
blüht er, wo’s Männdel ist gegraben.

© 07/2008 Artur Beul, Zollikon.

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